z0r.de — Als das Internet noch gut war

„OMG meine Augen. D: hahah. Das Epilepsie-Thema, so irritierend, dass es wieder geil ist.“ Das sagen Leute über die Webseite z0r.de… zumindest wenn du den Admin der dazugehörigen Facebook-Seite fragst. Ich habe ihn für diesen Artikel zwar nicht gefragt (naja, eigentlich schon, er hat nur nicht geantwortet), dennoch möchte ich dir heute gern die wohl glorreichste deutsche Webseite im gesamten World Wide Web vorstellen.

ZOMG ZUFALL! lautet das Konzept. Wenn man etwas so chaotisches denn Konzept nennen kann. Die Webseite, die seit dem 27. Januar 2007 in der Internet Archive Wayback Machine registriert ist, bietet dem geneigten Informationsflusswellenreiter jede Menge laute, schnelle Musik, blinkende, bunte Farben, Einspieler aus Animes und das alles immer und immer wieder. Dabei sind die derzeit insgesamt 7722 Flashloops allerdings nicht nach Kategorien, Inhalt oder sonstigen Sortiermöglichkeiten sortiert, sondern besitzen einfach jeweils eine fest zugewiesene Nummer. Das ist auch die einzige Möglichkeit, sich besonders lustige oder interessante Loops zu merken. Meine persönlichen Favoriten sind übrigens die Netzklassiker der deutschen Nerdkultur schlechthin. Loituma Girl (#5) und der „Augenkrebs-is-back“-Loop (#12), der sogar einst eine ganze Webseite mit seinem Glanz füllen durfte. An dieser Stelle: RIP Augenkrebs.de.vu.

Ein Standbild aus dem Augenkrebs-Loop.

Ein Standbild aus dem Augenkrebs-Loop. Screenshot z0r.de

Damals sah die deutsche Webseite z0r übrigens auch nicht viel anders aus als heute. Lediglich die drei einzigen Knöpfe der Seite (Vorher, Zufall, Nächstes) wurden ins Englische übersetzt und Links zu den Social-Media-Kanälen, sowie dem Forum und anderen Zusatzfunktionen hinzugefügt. So kam zunächst der Songindex, auf dem du — zumindest für die ersten paar tausend Loops — herausfinden kannst, welches Lied im Hintergrund dudelt; später wurde auch der Upload von neuen Loops öffentlich freigegeben. Auch wenn inzwischen jeder Besucher eigene Flash-Loops mit einer Maximalgröße von 2MB hochladen kann, so müssen diese doch immer von einem Admin genehmigt werden, bis sie nach langer Zeit endlich auf der Seite landen. Dieses Vorauswahlverfahren finde ich verdammt gut, da ich nur Qualitätsblödsinn sehen möchte.

Keine Ahnung, was das darstellen soll. Aber es macht gute Laune.

Keine Ahnung, was das hier darstellen soll. Aber es macht ziemlich gute Laune. Screenshot z0r.de

Aber das wirklich interessante an z0r.de ist die Tatsache, dass es als Webseite existiert, die uns zeigt, wie großartig das Internet vor knapp 10 Jahren war. In einer Zeit, in der Facebook noch kein Treffpunkt für Verschwörungstheoretiker und unzählige schlechte Memes war. Als auf YouTube noch kreativer Amateur-Content produziert wurde und keine blonden Twens mit kiloweise Make-Up zu Sternchen wurden. Als man sich noch mit seinen genauso verschwitzten Freunden traf, die alle mal zum Frisör mussten, um die ganze Nacht Counterstrike 1.6 auf einer LAN-Party zu spielen. Genau das sind die Momente, in denen sich Insider-Tipps wie z0r.de verbreiten konnten, um daraufhin tagelang digitales Entertainment mit geringsten Anforderungen zu bieten. z0r.de ist ein digitaler Rückblick auf bessere Zeiten und lässt mich — abgesehen von vereinzelten My Little Pony Inhalten — weiterhin an eine strahlende Zukunft für den Online-Random-Humor glauben.

P.S.: Falls du dich immer noch nicht in diese schnieke Webseite verliebt hast, sei dir darüber bewusst, dass sie dir in ihrer Fehlermeldung sogar freundlich von Internet Explorer abrät.

Beitragsbild: Collage Screenshot z0r.de / BroadScreen.de

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